Fachwerk wird durchschaubar
Ostbevern. Wie im Fachwerkbau früher der Werkstoff Lehm genutzt wurde, zeigt der Heimatverein. Eine Neuinstallation im Heimathaus veranschaulicht dieses alte Handwerk.
Traditionell wird im gesamten Fachwerkbau in Deutschland Lehm verarbeitet, weil er fast überall verfügbar und verhältnismäßig bequem aufzuarbeiten ist.
Die Gefache wurden im Regelfall bis ins 18. Jahrhundert, teilweise bis ins 19. Jahrhundert mit Lehm ausgefüllt, wobei die hölzernen Grundkonstruktionen variieren. Grundtypen der Ausfachung sind das Flechtwerkgefach und das flechtwerklose Stakengefach, schreibt der Heimatverein in einer Pressemitteilung.
Das Flechtwerkgefach hat in aller Regel Staken aus hartem Holz, zum Beispiel Eiche, während die Wickelhölzer aus biegsamer Weide, Haselnuss oder Birke bestehen. Normalerweise haben die Wandgefache eine Höhe von etwa einem Meter. Eine Beispielwand im Heimathaus macht das deutlich.
Das Lehmgefach liegt einige Millimeter hinter der Bundseite des Holzwerks, so dass der anschließende weiße Feinputz (Kalk) mit dem Holz bündig aufgetragen werden kann. Erst dieser Kalkputz füllt dann auch die Fuge zwischen Lehmausfachung und Holzwerk, die durch das Trocknen des Lehms entsteht.
Ein Beispiel dieser Fachwerkwand unter Verwendung von Lehm hat Franz Lehmkuhle in mühevoller Arbeit erstellt. Lehmkuhle hat ab 1951 eine dreijährige Ausbildung zum Baufacharbeiter gemacht. 1998 ging er in seinen verdienten Ruhestand.
Die erforderlichen und schweren Holzarbeiten wurden durch Heinrich Reckermann erledigt.
Das Heimathaus ist sonntags in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen können in Absprache mit dem Heimatverein Führungen angeboten werden.
Westfälische Nachrichten 23.09.2006
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