„Niewweltieden" von Hans Peter Boer
WN-Bericht von Daniela Allendorf, Foto von Klaus Brandes
Mittwoch, 15.04.2026
Volles Haus herrscht im Winter regelmäßig bei den Plattdeutschen Abenden. Jetzt hofft er
Heimatverein auch auf zahlreiche Besucher, wenn die Niederdeutsche Bühne Münster im Heimathaus
zu Gast ist.
OSTBEVERN. Auch wenn die Plattdeutschen Abende, die im Winter regelmäßig das Heimathaus füllen, sich
bereits in die Sommerpause verabschiedet haben, so steht die nächste Veranstaltung des Heimatvereins
dennoch ganz im Zeichen dieser alten Ausdrucksweise: Am Sonntag (19. April) sind Mitglieder der
Niederdeutschen Bühne Münster im Heimathaus am Lienener Damm zu Gast und lesen aus „Niewweltieden" von
Hans Peter Boer.
„Niewweltieden" ist Familiensaga und Dorfchronik in einem, heißt es in der Ankündigung des
Heimatvereins. Geschildert wird in dem Werk, das vier Spielerinnen und Spieler in der gekürzten Fassung
von Georg Bühren lesen, die Zeit von 1920 bis zum Wirtschaftswunder. Boer erzählt in plattdeutscher
Sprache und oftmals mit typisch münsterländischem Humor von Heldentum und
stiller Solidarität, aber auch von Verbrechen und Mitläufertum: „Et was in de Jaohren no en stillen
Hook, Roggenduorp in't Mönsterland. En Plecksken, wao't so vull van gaff in düsse Tied, met all de
Feihlers un Dochten, met all de Besunnerhaiten un Däösigkeiten, we bi sock Schlagg Lüe un unner düssen
Hiemmel upkuemen könnt..."
In die geschlossene Welt des münsterländischen Ortes Roggendorf bricht in den zwanziger Jahren Neues
ein: Neue Landmaschinen verändern die Arbeit, die Wirtschaftskrise tut das Ihre dazu, dass viele
Menschen arbeitslos werden. Für viele liegt die Lösung nahe: Bald werden Hakenkreuzflaggen aufgezogen,
der jüdische Händler Mendel aus dem Dorf vertrieben...
„Niewweltieden" ist ein bedeutendes Werk der plattdeutschen Literatur, das regionale Geschichte,
Alltagsleben und menschliche Schicksale im Münsterland eindrucksvoll verbindet. Es bietet einen
authentischen Einblick in die Zeit zwischen 1920 und dem Wirtschaftswunder und bewahrt die plattdeutsche
Sprache als literarisches Medium. Um 17 Uhr beginnt die Lesung am Sonntag (19. April) im
Heimathaus.
Die Veranstalter freuen sich, dass der Eintritt dazu frei ist, bitten aber dennoch um eine kleine
Spende.
Niederdeutsche Bühne Münster
Aus Sorge um die damals schon in ihrer Existenz bedrohte niederdeutsche Sprache, gründete die
„Literarische Gesellschaft Münster" im Mai 1919 eine niederdeutsche Bühne, die heute den Namen
„Niederdeutsche Bühne am Theater Münster e.V." (NDB) trägt. In der 2012 neu gefassten Satzung wird die
Aufgabe des Vereins wie folgt beschrieben: „Zweck des Vereins
ist die Pflege und Förderung der niederdeutschen Sprache, insbesondere durch Aufführung von
niederdeutschen Bühnenwerken, durch Vorträge, Rezitationen und Publikationen." Die NDB ist von Anfang an
eng mit dem Theater der Stadt Münster verbunden. Das Theater stellt den Aufführungsort und die
Ausstattung eines Stückes zur Verfügung. Dafür spielen alle Darsteller honorarfrei. Der Spielort ist das
Kleine Haus des Theaters, aber auch auf kleineren Bühnen im Münsterland sind die Mitglieder unterwegs.
Ebenso bieten sie Lesungen - wie in Ostbevern - an.